Das Hanya Shingyo ist eines der wesentlichsten Sutren des Mahayana Buddhismus. Deswegen rezitieren wir es zu Beginn jedes Zen-Abends.
Es geht auf das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück: Das Prajnaparamitra Sutra, das Sutra der vollkommenen, vollendeten Herzweisheit. Im 7. Jahrhundert n. Chr. wurde es ins Chinesische übersetzt. Erst später wurde es in Japan so komprimiert, wie wir es heute kennen. Es ist wie ein Diamant der Essenz des Zen.

Jede einzelne Silbe dieser Kunstsprache ist wie ein eigenes kleines Mantra, das einen Funken von Freiheit in uns entfaltet, wenn wir es freudvoll und kraftvoll rezitieren. Dabei kommt es nicht darauf an, die Kernaussage „Form ist Leerheit ist Leerheit ist Form“ intellektuell zu studieren, sondern es geht um die direkte Erfahrung bei der Rezitation, in der wir die Bedeutung dieser Kernaussage mehr und mehr durchdringen.
Dazu ist es erforderlich, dieses Sutra auswendig zu lernen. Und wir müssen eine Tonhöhe finden, in der unser ganzer Körper wie ein Bambusrohr schwingt. Dann erschließt sich uns die Essenz, die wir heute übersetzen würden mit: Vollkommene Freiheit in der Welt der Bedingtheiten. Darum geht es im Zen.
Die Rezitationstexte liegen aus und können zum Lernen mit nach Hause genommen werden.